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Montag, 18. Juli 2016

Endlich am Meer, Sloweniens Küste und Istrien

Nun heißt es: Dobar dan! Wir sind nun für längere Zeit in Kroatien unterwegs und planen auch keine verwirrenden Grenz-Hoppings in nächster Zeit.
Von unserem Stellplatz aus war es kein weiter Weg in die Altstadt von Koper, die wacker den riesigen Industriehafen kontrastiert und mit Sicherheit auch einen der schönsten Hauptplätze der nördlichen Adriaküste zu bieten hat.


Am Montag gönnten wir uns eine 24-stündige Siesta, die nur von einer 30 km langen Radtour unterbrochen wurde.
Die Räder dienten auch am nächsten Tag als Transportmittel, als wir die beiden Küstenstädtchen Piran und Izola besichtigten.
Izola war (man kann es am Namen schon erahnen), ebenso wie Koper, bis vor einigen hundert Jahren eine Insel, die allerdings so nah an der Küste lag, dass man sie durch Erdaufschüttung daran anbinden konnte. Vielleicht kann man es auf diesem Foto erahnen:


Piran ist zwar etwas größer, hat aber viel mehr den Charakter eines alten Fischerhafens, weiß aber auch mit einem eindrucksvollen Campanile und gut erhaltenen Festungsmauern zu gefallen.


Der Hauptplatz direkt am Hafen war früher wohl ein Teil desselben, ehe auch hier aufgeschüttet wurde und eine Statue für den berühmtesten Sohn der Stadt, den Violinisten Giuseppe Tartini, errichtet wurde.


Nachdem wir 4 Nächte in Koper geschlafen hatten, war es an der Zeit weiterzuziehen.
Wir machten noch eine letzte Schleife durch Slowenien, ehe wir uns schweren Herzens von diesem unglaublich vielschichtigen Land verabschiedeten.
Zunächst stand die zweite Ausnahme-Höhle Sloweniens auf dem Programm: Skocjan.
Im Verhältnis zur Höhle von Postojna gibt es in der von Skocjan wenig Tropfsteingebilde. Auch ist das Höhlensystem wesentlich kürzer. Aber hier treffen mehrere Naturschönheiten aufeinander und vereinen sich zu einem atemberaubenden Spektakel.
Zum einen durchfließt der Fluss Reka mit ohrenbetäubendem Tosen einen, tief in den Höhlenboden eingefressenen, Canyon. Dieser wird von einer 45 m hohen, recht schmalen Brücke überspannt, die es auf dem Rundkurs zu überqueren gilt. Die Reka bildet in ihrem Lauf durch die Höhle sogar einen mehrere Meter hohen Wasserfall.
Zum anderen sind die Ausmaße der Höhle immens. Die majestätische und von der Reka durchflossene „Rauschende Höhle“ ist 160 m hoch und sowohl einige hundert Meter breit wie lang. Die relative Dunkelheit –nur die Wege sind beleuchtet- verstärkt den fast mystischen Eindruck und das Gefühl verschwindend klein zu sein- ein Gefühl, das nicht nur Svenja hatte.
Leider darf man erst am Ausgang wieder Fotos machen:


Wieder über Tage zog es uns nach Hrastovlje, einem winzigen Dorf im slowenischen Niemandsland, das einzig und allein wegen seiner Dreifaltigkeitskirche eine gewisse Berühmtheit erlangt hat (immerhin findet man in der Lübecker Marienkirche einen Hinweis darauf).


Um in die Kirche zu gelangen, muss man zunächst den Schlüsselhüter telefonisch von seiner Besuchsabsicht unterrichten. Minuten später schäppert ein aus Vorkriegstagen stammendes Moped über den Schotterweg…herrlich urig.
In der Kirche ist fast jegliche Wandfläche mit Fresken aus dem 15. Jh. geschmückt.


Eine Bibel für die Armen, die meist nicht lesen konnten. Die bekannteste Szene ist der Totentanz: 11 Personen jeglichen Standes, vom Säugling bis zum Papst, werden je von einem Skelett tanzend zum Grab begleitet: Der Tod kennt keine Standesunterschiede. Hier ein Ausschnitt:


Nachmittags überquerten wir die Grenze nach Kroatien und wurden völlig unerwartet vom Grenzbeamten angehalten, da wir vergessen hatten, die seitlichen Jalousien des Busses zu öffnen. Den Verdacht Schlepper oder Schmuggler zu sein, konnten wir jedoch in Windeseile zerschlagen.
Wir fuhren weiter nach Buzet, einem kleinen Städtchen im Norden der istrischen Halbinsel.
Wie so viele Städte in dieser Region liegt Buzet auf einem von trutzigen Mauern umgebenen Hügel, ist mit kopfsteingepflasterten Gassen gesäumt und liegt im Schatten eines Glockenturms.


Zudem werben alle Orte dieser Gegend mit den hier in großen Mengen gefundenen weißen Trüffeln.
Am Abend wartete dann noch ein ganz besonderes Schmankerl auf uns. Wir fuhren in die kleinste Stadt der Welt, zumindest laut Guiness-Buch der Rekorde.
Auf 100 mal 30 Metern „erstreckt“ sich Hum innerhalb von vollständig erhaltenen Stadtmauern. Ganze 2 Gassen beherbergen ca. 25 Menschen und 1 Kirche, in der deutlich mehr Sitzbänke stehen als der Ort Einwohner hat. Vermutlich lebt keiner der 25 Einwohner von etwas anderem als den Touristen, die sich hierhin verirren.


Unser Domizil für die Nacht war ein Stellplatz auf einer Weinfarm im istrischen Hinterland, das bei Weitem nicht so überfüllt ist, wie die Küstenregion.
Da uns der Chef mit seiner unkomplizierten Art und die wunderbar ruhige Lage so gut gefielen, kehrten wir am nächsten Abend noch einmal hierhin zurück.


Zuvor jedoch fuhren wir in den 250-Seelen-Ort Beram. 1 km außerhalb des Ortes steht ein unscheinbares Kirchlein auf einem Friedhof. Die Wände dieser Kirche sind über und über mit Fresken bedeckt und auch hier befindet sich ein Totentanzfresko- vom Bruder des Künstlers aus Hrastovlje.


Eine weitere Parallele: Auch diese Kirche fanden wir verschlossen vor.
Es reichte diesmal jedoch nicht sich telefonisch zu melden -dies versuchten einige mit uns wartende Franzosen- vielmehr musste man in den Ort zurückkehren und die Messnerin mitsamt Schlüssel abholen und in bester Taximanier bis zur Kirche fahren. Besagte Messnerin –wenngleich Kroatin-  war eine typische Italienerin, die wild gestikulierend und lamentierend in unser Auto einstieg. Sie beschwerte sich darüber dass sie ständig hin und her fahren müsse und wie anstrengend das Ganze doch sei. Ganz nebenbei bedachte sie einen Treckerfahrer, den wir auf engster Straße bergauf überholen mussten aus dem geöffneten Fenster mit kroatischen Spott- oder Anfeuerungsrufen bzw. einer Mischung aus beidem.
In der Kirche angekommen erklärte sie im Zeitraffer den Franzosen auf italienisch mit französischen Versatzstücken und uns auf deutsch die Bedeutung der einzelnen Fresken. Wenige Augenblicke später machte sie uns allen klar, dass es nun Zeit sei, die Kirche wieder zu verlassen, sie müsse im Ort nun die Kirchenglocke läuten, schließlich sei es gleich 12 Uhr. Svenja überlegte noch kurz, ob sie bei einem vor dem Friedhof postierten Landwirt regionale Produkte erwerben sollte, doch diese Entscheidung wurde ihr abgenommen: „Nix kaufen, schnell, schnell!“ schallte es aus dem geöffneten Beifahrerfenster.

rechts besagte Messnerin beim Erklären der Fresken

Im Anschluss ging es weiter ins wenige Kilometer entfernte Pazin. Dort warfen wir einen Blick in die Altstadt und einen in die unterhalb der Stadt gähnende Schlucht, über der mehrere Adrenalinjunkies Ziplining betrieben.


Abschließend stand noch Motovun auf dem Programm.


Motovun ist der Vorzeigeort des istrischen Hinterlandes, gefüllt mit Souvenirshops, Eisdielen und Restaurants, die -wie sollte es anders sein- vor allem vom Ruf des weißen Trüffels leben.
Zudem sucht das architektonische Ensemble der, von nahezu perfekt erhaltenen Festungsmauern umzogenen, Stadt ihresgleichen. Das hat sich auch bis zum letzten Touristen in Istrien herumgesprochen, sodass die Gassen der in den Stadtmauern liegenden Altstadt aus allen Nähten platzten, als wir sie durchwanderten. Dennoch fanden wir außerhalb des eigentlichen Stadtkerns einige ruhigere Ecken.



Morgens begaben wir uns nach einem gemütlichen Frühstück zum alles andere als gemütlich anmutenden Touristenmagneten Porec.
Porec’ Highlight ist die Euphrasius-Basilika, deren Vorgängerbauten bis ins 4. Jh. zurückzuverfolgen sind.

Im Kirchenkomplex sind neben der eigentlichen auch ein Bischofspalast und ein kleines Museum mit römischen Mosaiken und Sarkophagen enthalten.
Die Innenausstattung der Kirche ist im frühbyzantinischen Stil gehalten und erinnert sehr an diverse Mosaike in Ravennas Kirchen.


Ansonsten war an den meisten Stellen kaum ein Vorankommen. Dass die Straßenzüge prinzipiell sehenswert wären, konnte man dennoch ganz gut erahnen.


Danach brauchten wir mal wieder etwas Erholung vom Stress an der Küste und fuhren in den wunderhübschen und friedlich vor sich hin schlummernden Ort Bale.


Die Bewohner haben sich alle Mühe gegeben, den Ort mit einer Vielzahl an bunten Blumen zu schmücken.

Das gesamte Ambiente gefiel uns auf Anhieb und wir blieben einige Stunden in diesen stressfreien Gefilden ehe wir abends noch nach Rovinj zurück an die Küste und zurück ins Getümmel fuhren.
Rovinj war für uns etwas ganz Besonderes.
Das altehrwürdige Fischerdorf zählt mit Sicherheit zu den schönsten Küstenstädten der gesamten Adriaküste.


Die Häuserfassaden sind farbenfroh gestrichen und vermitteln ein mediterran-sommerliches Flair. Über allem thront die Euphemia-Basilika mit einem für Istrien typischen venezianischen Campanile, der hier etwas höher ausfällt als gewöhnlich.


Natürlich hat auch hier der Massentourismus längst Einzug gehalten, doch scheint Rovinj in gewisser Weise dagegen immun zu sein, verlieren sich doch hier die Besuchermassen im Wirrwarr des extrem rutschigen Kopfsteinpflasterlabyrinths. 


Tatsächlich entledigten wir uns nach kurzer Zeit unserer Flip-Flops um nicht wie so viele andere auszurutschen und zu stürzen.
Übernachtet haben wir erneut auf einem Weingut im Hinterland. Erneut gefiel es uns sehr in der abgelegenen Gegend und wir hängten auch hier noch eine zweite Nacht dran.
Den Tag dazwischen nutzte Nathan zum Radfahren und Svenja um sich auszuruhen und die nähere Umgebung zu erkunden.
Seit Samstag sind wir wieder auf einem Campingplatz einquartiert. Uns hat es an den südlichsten Zipfel Istriens verschlagen. Dies ist die Halbinsel Premantura. Hier entspannen wir am felsigen Strand, schnorcheln und genießen die Sonne; machen also zwischendurch ein wenig Urlaub. Gestern haben wir dann von hier aus den Nationalpark Kamenjak durchquert. Vor allem die vielen felsigen Buchten prägen die ansonsten recht ausgedörrte Landschaft.


Mit dem Duft der Kieferwälder in der Nase sowie dem Rauschen des Meeres und dem Zirpen der Insekten im Ohr, legten wir die Rundtour teils auf Schotterstraße mit den Rennrädern, teils zu Fuß auf den schmalen Wegen direkt am Meer entlang, zurück. Am Kap Kamenjak stiegen wir auf einen kleinen Aussichtsturm hinauf und hatten einen Rundum-Fernblick unter anderem bis zu den Inseln Cres und Losinj, auf die wir uns schon freuen.


Hier ein paar Schnorchel-Impressionen:










Montag, 11. Juli 2016

Von Bienenstockstirnbrettern und Grottenolmen

Etwas wirklich Besonderes war das Schwimmbad nicht, aber eine willkommene Erfrischung war es dann doch.
Nachdem wir tags darauf eine Runde Frühschwimmen hinter uns hatten, schlenderten wir in den Ort Radovljica, in dem uns vor allem das Bienenmuseum interessierte, das neben grundlegenden Informationen zur Imkerei und dem Leben der Bienen wohl die beste Sammlung an Bienenstockstirnbrettern beherbergt. Bienenstock…was?
Die Imkerei hat seit dem Mittelalter einen sehr hohen Stellenwert in der slowenischen Landwirtschaft und auch Kultur eingenommen. Damit die Bienenstöcke unterscheidbar blieben- für Mensch und Biene gleichermaßen wichtig- aber sicher auch aus ästhetischen, religiösen und teils abergläubischen Gründen, wurden die Bretter über dem Flugloch, durch das die Bienen in ihren Stock zurückkehren, kunstvoll bemalt. Hier ein Beispiel:


Mit einem kleinen Abstecher nach Brezje, der meistbesuchten Wallfahrtskirche des Landes, ging es weiter nach Kranj. Mit knapp 40.000 Einwohnern ist Kranj ein bedeutendes Wirtschaftszentrum und zugleich viertgrößte Stadt Sloweniens. Dennoch gibt es eine liebliche Altstadt zu erkunden.


Eine halbe Stunde später kamen wir schon in Skofia Loka an:


Hier fanden wir das bisher beste Eis unserer Tour und konnten an der alten Burg Turmfalken bei ihrem Versuch die Festung zu stürmen, fotografieren.


Abends fuhren wir dann noch bis Ljubljana weiter und nutzten einen P+R- Platz mit Camper-Areal zum Übernachten.
Da das Parkticket auch Bustickets beinhaltete, nutzten wir morgens die gute Anbindung, um in die Innenstadt zu gelangen. Man könnte fast den Eindruck bekommen, P+R sei in und für Ljubljana erfunden worden. An fast jeder großen, in die Stadt führenden Straße ist ein riesiger, billiger und gut ans Busnetz angebundener Parkplatz zu finden. Aber in der Innenstadt ist das Auto auch fehl am Platz, eine riesige Fußgängerzone umfasst nahezu den kompletten historischen Kern, was zu einer extrem entspannten Atmosphäre führt.

Franziskanerkirche
Diese wird durch gemütliche Cafés entlang der Ljubljanica komplettiert.
Zudem ist Ljubljana eine unglaublich junge Stadt, was bei ca. 65.000 Studenten in einer nicht einmal 300.000 Einwohner zählenden Stadt kaum verwundert.
Im Nationalmuseum wird das älteste bekannte Musikinstrument der Welt, eine ca.60.000 Jahre alte Neandertaler-Flöte aus dem Oberschenkelknochen eines jungen Höhlenbären, aufbewahrt:


Wir blieben bis abends in der Stadt


und schauten dort auch das Halbfinale Deutschland-Frankreich, aber die Mission „Jubel in Ljubljana“ war leider nicht erfolgreich.
Nach dem Aufstehen fuhren wir in die 7.000 Seelenstadt Idrija, um dort eine Führung durch den Antoniusstollen zu machen. Bis zu ihrer endgültigen Schließung vor ca. 20 Jahren war hier die zweitgrößte Quecksilbermine der Welt in Betrieb. Aufgrund seiner gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen wird Quecksilber heutzutage durch andere Stoffe ersetzt und hat erheblich an Wert eingebüßt. Einzig für die Herstellung von Munition wird es noch abgebaut, allerdings hauptsächlich in Russland, China und Indien und in kleinen Mengen soll es auch noch in potenzierter Form in einigen homöopathischen Globuli namens Mercurius solubilis zu finden sein. Dann wäre da ja immerhin irgendetwas drin und es müsste dann ja auch bei Quecksilbervergiftung helfen…
Unser Erinnerungsfoto haben wir nicht selbst geschossen, daher ist es etwas verwackelt:


Danach fuhren wir weiter zum größten Touristenmagneten Sloweniens: Den Höhlen von Postojna.
Postojna selbst ist eine hässliche Stadt, die hauptsächlich aus gebührenpflichtigen Parkplätzen besteht. Vor der Höhle erstreckt sich eine unglaublich fürchterliche und überhaupt nicht enden wollende Souvenirshop-Restaurant-Touristenabzock-Meile, die man am besten mit Scheuklappen durchquert, um bleibende Schäden zu vermeiden. Mittendrin muss man dann allerdings seine Tickets kaufen und sich noch von der Kassiererin anblöken lassen, weil auf dem Studentenausweis kein Geburtsdatum steht. Na, immerhin hat sie uns beiden das erschwindelte Alter von 24 Jahren abgenommen. Daher kosteten unsere Tickets je nur 23,20€ anstatt 29,40€. Was für ein Schnäppchen!
Die Führungen beginnen zu jeder vollen Stunde und die schier endlosen Touristenschlangen drängen sich vor den jeweiligen Landesflaggen, die die Sprache der Führung verraten, nur die slowenische Flagge weht einsam und verlassen vor sich hin…
Und dann öffneten sich die Tore, ein letztes Mal wurde darauf hingewiesen, dass in der Höhle konstante 10°C (plus wohlgemerkt) herrschen und es deshalb ratsam und doch auch sehr preiswert sei, sich für die Dauer der Führung für 3,50€ einen Mantel zu leihen, den man andernorts wohl auch zu eben jenem Preis erwerben kann.
Nachdem dann die halbe Reisegruppe in Mäntel gehüllt war, begann die Höhlenbesichtigung.
Zunächst nahmen wir albern in einer albernen Mini-Eisenbahn Platz


und ließen uns die ersten 2km bis ins Innere der Höhle kutschieren. Das hatte seine Berechtigung, schließlich folgten nun 1,5km Fußmarsch, für die man gerade einmal 1 1/2 Stunden Zeit hatte. Die Besucherzahlen von 500.000-700.000 /pro Jahr würde man mit einem über 5km langen Fußweg wohl nicht halten können.
Aber genug gelästert, denn was dann folgt, lässt sich schwer in Worte fassen oder eindrucksvoll fotografieren (das ist, anders als in den meisten anderen Höhlen, erlaubt- allerdings ohne Blitz und Stativ). Man befindet sich plötzlich in einer völlig anderen, surrealen Welt.


Alleine die immensen Dimensionen der einzelnen Säle verschlagen einem die Sprache. Allerdings bekommt man auf 1,5km auch kaum die Gelegenheit zu verschnaufen, kaum mal eine Stelle, die nicht spektakuläre Blicke oder neue Facetten bietet.


Das Farbspektrum der Stalagmiten und Stalaktiten reicht von weiß über gelb und rot zu blau.


Im nächsten Abschnitt hängen die Stalaktiten wie Spaghetti von der Decke, dann überquert man eine von russischen Kriegsgefangenen errichtete Brücke über eine Schlucht.


Die am häufigsten für Postkarten ausgeschlachtete Formation ist wohl folgende:


Am Ende der Führung erreicht man ein Aquarium, in dem Grottenolme gehalten werden. Diese Tiere sind wahrlich etwas ganz Besonderes. Sie sind dauerhaft in Larvenform lebende Schwanzlurche, die natürlicherweise nur in einigen unterirdischen Höhlensystemen im westlichen Balkan vorkommen. Sie werden ca. 20-30cm lang und haben sich an das Höhlenleben in absoluter Finsternis perfekt angepasst:
Sie sind komplett blind (dafür sind alle anderen Sinne verstärkt, Licht nehmen sie mittels spezieller Sensoren wahr) ihnen fehlt jegliche Hautpigmentierung und sie können bis zu 7 Jahre ohne Nahrung auskommen. Dadurch erreichen sie eine extrem hohe Lebenserwartung, manche Forscher schätzen sie auf bis zu 100 Jahre. Da sie sehr lichtempfindlich sind und das Dämmerlicht, in dem man sie betrachtet, eigentlich schon zu viel für sie ist, konnten wir nur ohne Blitz fotografieren:


Nachdem sich unsere Augen wieder an das Tageslicht gewöhnt hatten und wir noch einen kurzen Abstecher zur Burg Predjama gemacht hatten, fuhren wir ein letztes Mal nach Italien, um in Muggia an der Küste zu übernachten.

Burg Predjama
Der folgende Ruhetag war uns dann nach einigen Stunden doch zu ruhig und wir fuhren noch nach Triest.
Auf dem, an der Küste entlangführenden, Weg zum etwas außerhalb liegenden Schloss Miramare 


bekamen wir einen ersten Eindruck davon, wie überfüllt die (Beton!!!)-Strände in dieser Gegend sind. Ein Anblick, den wir in den nächsten Wochen wohl des öfteren erleben werden.

Nun haben wir einen Stellplatz in Koper (wieder Slowenien) gefunden, der uns die Möglichkeit gibt, von hier aus die umliegenden Orte zu besichtigen, schwimmen zu gehen und Rad zu fahren. Hier werden wir es einige Tage aushalten.

Mittwoch, 6. Juli 2016

Viel slowenische Natur und ein bisschen Italien

Mit schweren Beinen und vor dem angekündigten Gewitter fliehend, fuhren wir am Morgen darauf von Bovec immer Soca-abwärts ins italienische Flachland. Dabei stoppten wir im malerischen Kanal, dessen 17m hohe Brücke jeden August von mutigen Brückenspringern für Wettkämpfe genutzt wird.

Kanal
Kurz vor der italienischen Grenze erreichten wir dann Sveti Gora, eine etwas eigenwillig mit hunderten von Bildern ausgestattete Wallfahrtskirche, und fuhren bald weiter; das Highlight des Tages wartete noch auf uns.
Dieses liegt ganz nah an der Mittelmeerküste und nennt sich Aquileia.


Der heute winzige Ort war zu Zeiten des römischen Reiches ein wichtiger Hafen, der durch eine aufwendige Kanalkonstruktion mit dem Meer verbunden war. Außer den Resten dieser Anlage gibt es noch Teile des Forums zu besichtigen. Direkt an der Ausgrabungsstätte steht außerdem eine Basilika aus frühchristlicher Zeit, deren Fußboden komplett von einem 750m² umfassenden Mosaik bedeckt ist. Daher darf man die Kirche nur auf einem Plexiglaspfad durchqueren.


Zudem befinden sich rund um die Kirche in kleineren Museen weitere Mosaike und in der Krypta reichhaltige Fresken:


Weiter ging es nach Udine.

Udine
Wir genossen die Altstadtgassen in der Abendsonne, echtes italienisches Eis und eine Privatführung im Baptisterium durch die ansonsten scheinbar chronisch gelangweilte Aufpasserin.
Abends fuhren wir noch nach Cividale del Friuli, wo direkt an der alten Stadtmauer ein Stellplatz auf uns wartete.
In unmittelbarer Nähe fanden wir tags darauf unsere bisher schönste Frühstücks-Location direkt an der Natisone.


Danach besichtigten wir die Altstadt, in der es zahlreiche Zeugnisse der Langobarden-Herrschaft aus dem frühen Mittelalter zu sehen gibt. Das Wahrzeichen des Ortes ist allerdings die sogenannte Teufelsbrücke.

Cividale del Friuli
Mittags fuhren wir nach Castelmonte, einer nicht besonders beeindruckenden Festung auf einem Hügel in der Nähe. Wir nutzten den großen davorliegenden Parkplatz auch vielmehr zur Siesta (inkl. Prosecco-Verkostung aus dem Kofferraum eines Italieners, der 30 Jahre in Deutschland gearbeitet hatte und großen Redebedarf hatte) und danach als Startort zu einer lockeren Radrunde, die dann doch gar nicht so locker war, wie erwartet, da mittendrin das Asphaltband einfach abriss und eine Umfahrung nötig machte, die 600 Extra-Höhenmeter mit sich brachte. Dabei fuhren wir einen Teil der diesjährigen Girostrecke nach; die Dekorationen sind allerorten noch sichtbar:


Die öffentlichen Toiletten in Castelmonte dienten als Waschraum und „frisch geduscht“ ging es zurück nach Cividale. Auf dem Domplatz flackerte uns auch schon die Vorberichterstattung des Italien-Deutschland-Klassikers entgegen. Es war ein komisches Gefühl inmitten von Italienern zu schauen, wenngleich sich eine weitere Gruppe deutscher Touristen hierhin verirrt hatte. Vor Aufregung haben wir völlig vergessen ein Erinnerungsfoto zu schießen.
Wir übernachteten erneut auf unserem Stellplatz und erlebten am nächsten Tag das Unwetter vor dem wir 2 Tage zuvor geflohen waren. Deshalb nutzten wir den Tag um möglichst viel Strecke hinter uns zu bringen. Entgegen unserer eigentlichen Planung fuhren wir durch bis zum See von Bohinj:



In dessen Nähe empfing uns erneut ein Stellplatz, allerdings kein besonders schöner.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit Regeneration und Vorbereitung auf das was da kommen mochte.
Schließlich hatte Svenja für den folgenden Tag eine 7-Seen-Wanderung geplant, die es in sich hatte:
Von einem Wanderparkplatz auf 650m hinauf zu einer Hütte auf 2080m und wieder retour, insgesamt mit Zwischengefällen 1650 Höhenmeter und, was beim Wandern manchmal noch härter ist, 1650 Tiefenmeter- teilweise am Klettersteig.


Neben den 7 Seen brachte die Tour Blicke auf die umliegenden Berge, u.a den Triglav, mit 2864m höchster Berg Sloweniens und Namensgeber des gesamten Nationalparks, mit sich.

Blick auf den 2.See und die 1. Hütte
Dabei durchwanderten wir verschiedenste Landschaften vom Wald bis zur Geröllwüste.

langsam ist die Baumgrenze erreicht...

Blick von oben
Ob ihr die Höhenluft nicht bekam oder sie einfach genug von unserer Gegenwart hatte, lässt sich nicht mehr klären- auf jeden Fall machte sich Svenjas Jacke unbemerkt auf und davon und kehrte nicht zurück.
Vermutlich ziert sie nun den Körper eines Murmeltieres –sollte von der Größe wohl passen- oder fristet ein Eremitendasein in den Julischen Alpen.
Recht erschöpft- für das Ganze brauchten wir 9,5 Stunden- und mit wunden Füßen kamen wir am Auto an und fuhren noch einige Kilometer zum nächsten atemberaubenden See, dem Bleder See. Dort bezogen wir unser Quartier auf einem Stellplatz mit Seeblick. Heute Morgen stellten wir dann fest, dass dieser See den von Bohinj in puncto Schönheit noch übertrifft.



Leider ist die Gegend von Touristen und Personen, die an diesen verdienen, gesättigt. Als wir kurz vor 7 Uhr auf der Suche nach einem guten Platz zum Relaxen an einer Gruppe von am Straßenrand geparkten Autos vorbeikamen, stand auch ein Polizeiwagen daneben und ein Polizeibeamter druckte fröhlich Rechnungen in seinem ach-so-tollen Quittungsdrucker.
Da uns der Sinn nach etwas Besinnung stand, fuhren wir aus dem Trubel hinaus in einen kleinen Ort namens Radovljica. Hier haben wir auf einem Campingplatz eingecheckt und füllen unsere Akkus und die unserer Geräte. Gleich steht noch ein Besuch im dazugehörigen Freibad an, das immerhin die letzten 5 Wahlen zum schönsten Freibad Sloweniens gewonnen hat. Mal sehen, was das heißt.