Gesagt, getan- nachdem wir, von diesem Regenbogen
verabschiedet,
schweren Herzens, aber voller Vorfreude, auf Kreta
unsere Zelte abgebrochen und mit der venezianischen Loggia
und dem Morosini- Brunnen
die Besichtigung von Iraklion komplettiert hatten,
ließen wir uns von der Fähre in turbulenten neun Stunden zurück nach Piräus
kutschieren. Da wir in aller Hergottsfrühe um 6.15 Uhr dort wieder aufs
Fest(e)land rollten, hatten wir Zeit genug, um beim Kloster Daphni zum zweiten
Mal unser Glück zu versuchen- schließlich war Dienstag. Es sollte wohl nicht
sein- dieses Mal verkündete uns ein neu angebrachtes Schild, dass es ab
Weihnachten bis auf Weiteres gänzlich für Besucher geschlossen bleibe. Wir
trösteten uns damit, dass seine „Weltkulturerbe- Schwesterkirche“ Ossios Lukas
noch auf unserer Besuchsliste stand und ein warmes Apartment auf uns wartete.
Ohne Probleme meisterten wir in mittlerweile ausgereifter Teamarbeit die
Navigation und Fahrt durch das Athener Verkehrschaos und wurden wenig später
von leckerem sandigsamtigem Gebäck (wir wissen nicht wie es heißt- schmeckt aber
göttlich), Walnüssen, Rosinen, Wein und unserem freundlichen Gastgeber George
begrüßt- die griechische Gastfreundlichkeit kennt keine Grenzen.
An diesem
langersehnten Abend floss reichlich Wasser- aus der Dusche, in die
Waschmaschine und, in Form von Freudentränen, Svenjas Bäckchen hinunter, als sie
Miri in die Arme schloss.
Wir erkundeten unsere 70er-Jahre Bude und genossen einen
gemütlichen dreisamen griechischen Abend, den Svenja und Miri bis tief
in die Nacht ausdehnten. Leider war punktgenau mit Miri auch die deutsche
Eiseskälte in Athen gelandet. Aber diese konnte uns, und überraschenderweise
auch viele andere Touristen, nicht von der Besichtigung der zahlreichen
Sehenswürdigkeiten abhalten- allen voran die Akropolis mitsamt ihrem großen und besonders ausgefallen
konstruierten Museum.
Nicht nur die Lage, sondern vor allem die Tempel, die
Vielschichtigkeit und gleichsam Einzigartigkeit dieses historisch bedeutenden
156 Meter hohen Hügels beeindruckten uns sehr. Aber damit nicht genug- zu seinen
Füßen liegen zwei sehr bedeutende Theater. Das Dionysostheater war das erste
und bedeutendste Theater im antiken Griechenland. Dort soll das Drama seinen
Ursprung gefunden haben.
Im zweiten- dem Odeon des Herodes Atticus- finden im
Sommer Konzerte statt:
Nachdem wir die rutschige Treppe hinauf zu den
Propyläen gemeistert hatten, öffnete sich der Blick in alle Himmelsrichtungen und auf die drei Tempel. Manche Touristen starrten
komischerweise derweil lieber ihr Handy an.
Wir hatten zum Glück unsere ganz persönliche Fotografin dabei :)
Der kleine Niketempel liegt etwas versteckt-
im Gegensatz zum riesigen Parthenon:
Dem Zauber, der diesem Ort und Ausblick innewohnt,
konnten selbst das trübe Wetter und die Touristenströme keinen Abbruch bereiten.
Die
originalen überlebensgroßen Mädchen, die einen Teil des Erechtheions tragen,
konnten wir bis auf eine, die die Engländer abgezwackt haben, zuvor im Akropolis
Museum hautnah bestaunen.
Vor Ort wurden sie durch Duplikate ersetzt, genau wie auch die meterlangen Friese, die das Parthenon zierten.
Aufgrund des regnerischen Wetters am
Folgetag taten wir es den großen Funden Griechenlands gleich und fanden uns im
Archäologischen Nationalmuseum wieder. Dort glänzten sogar Stein und Kupfer-
wegen ihrer großartigen Bedeutung. Nathan und Svenja konnten ihr Griechenland-Puzzle weiter
vervollständigen, Miri verschaffte sich einen Überblick über das große Ganze.
An dieser Stelle wollen wir euch eine Auswahl an Bildern liefern,
1.) die unsere letzten Blogs ergänzen, wie
zum Beispiel die Goldmaske des Agamemnon aus Mykene:
2.) zu diesem Athen Blog gehören, zum
Beispiel mit der Statue des Poseidon aus Athens Umgebung:
3.) von Inseln stammen, die wir noch nicht
besucht haben, zum Beispiel dieses berühmte Fresko der kämpfenden Jungen aus
Santorini:
4.) von Funden, die zwischenzeitlich in einem versunkenen
Schiffswrack untergetaucht waren, wie zum Beispiel der Jockey von Artemision:
Es machte uns großen Spaß in den Sammlungen und in unserem Gedächtnis nach Informationen zu stöbern und Brücken zu spannen. Unnötig und
unspektakulär fanden wir das Theater, das sich vor dem Parlamentsgebäude am
Hauptplatz Syntagma abspielte: Dort tauschen zu jeder vollen Stunde die Wachmänner
in Röckchen und Zeitlupe Plätze.
Uns ging es viel zu langsam, wir stiegen im Gegensatz
zum Rest der strikt hinter eine Linie zurückgepfiffenen Touritraube nach ein
paar Minuten aus und in die Metro ein. Zuhause war es wärmer und die
Erzählungen spannender. Am dritten Tag lockten uns das Plaka-Viertel mit seinen
Marktgassen und die dort befindliche Agora ins kalte Nass. Schon allein für
diesen Blick von der einen antiken Stätte auf die andere,
die Hadriansbibliothek und den Turm der Winde
hätte es sich gelohnt. Aber vieles mehr schmückte
diesen Tag aus, wir genossen zum Beispiel noch den Blick vom Philopapposhügel auf
die Akropolis
und anschließend heißen Glühwein, Whiskey und Joster zuhause.
So kam es, dass wir uns am letzten Tag des Jahres noch einmal neu
eindecken mussten, schließlich mussten wir ja nach der Silvesterbesichtigung,
die das Panathenische Stadion, den Zeustempel
und den Hadriansbogen umfasste, wieder aufwärmen, bevor es dann für das Feuerwerk
auf einen weiteren Hügel- den für uns in Marschnähe liegenden Lykavittos ging. Das obligatorische "Dinner for one" natürlich durfte auch in der Ferne nicht fehlen.
Wir genossen es sehr, dass in Athen nicht schon Stunden vor und noch nach
Mitternacht geballert wurde. Das Feuerwerk hielt sich in Grenzen- es begrenzte
sich auf Raketen über der Akropolis und in Piräus, rote Leuchtraketen der
Schiffe auf See und ein Bengalofeuer.
Fröhlich starteten wir eine Stunde
früher als Deutschland ins neue Jahr. Am Abschiedstag tauschten wir Musik, Fotos und,
wie in Griechenland üblich, Geschenke aus. Wir teilten unsere Vorfreude auf die
Heimkehr, die den Abschiedschmerz ungemein linderte. Danke liebe Miri!
Vielleicht wollte uns
der Gauner einfach nur den Abschied von der Peloponnes etwas leichter machen.
Was er genau vorhatte, bleibt ein Rätsel. Wir mussten schlafarm und schweren Herzens, diese
traumhaft schöne Halbinsel nun über Korinth verlassen. Dort nahmen wir die beim
letzten Besuch noch nicht gesehene Senkbrücke am nordwestlichen Ende des
Isthmus, schwenkten bald darauf weg von der Küste in den bergigen Westen, wo
wir in Porto Germeno die ersehnte Ruhe und Einsamkeit fanden, nach der uns an
diesem Tag zumute war.
Wir mussten einfach raus aus der stressigen rollenden
Blechlawine, dem ersten Vorboten des gar nicht mehr weit entfernten Athens. Vor
allem die knöchelhohen Gleise der uralten unbenutzten Bahnübergänge ließen an
diesem Tag nur die besondere griechische unorthodoxe Fahrweise zu, die sich
durch den Wechsel von abruptem Bremsen und Beschleunigen auszeichnet. In
Deutschland findet man solche Vorkriegsrelikte allenfalls noch auf eingezäunten und vergessenen ehemaligen Güterbahnhöfen. Selbst in Albanien waren zwar die Brückenbauer nicht
die genauesten, aber immerhin gab es dort auf unserem Weg nicht so viele unnötige Gleise. Schlumpfi meisterte die Hürden als würde er darüber schweben, uns
scheint fast als hätte er seit dem Eierstrand ohnehin seine durch eine rosarote
Brille blitzenden Scheinwerfer mehr neben als auf der Straße- zum Beispiel bei
diesem hübschen Kulleraugen-Hippie-Bus.
In Porto Germeno angekommen, fanden wir
neben der Festung mitten im Olivenfeld ein lauschiges Plätzchen, von wo aus wir
binnen weniger Minuten das kleine Dorf erkundet hatten. Außer zwei
Renovierungsarbeitern an der Festung, einem Kioskbesitzer und zwei Personen in
einer Taverne und einem Café lag das Dorf wie ausgestorben vor uns. Wir nutzten das öffentliche WLAN, tranken
einen Cappuccino mit Meerblick und legten uns sehr früh schlafen. Noch bevor
der erste Hahn krähte, befanden wir uns schon auf dem Weg nach Eleusina. Dort
begutachteten wir die Reste des Demeter-Heiligtums, in dem in der Antike die
eleusinischen Mysterien gefeiert wurden.
Wie genau die Kultfeiern damals
abliefen, lässt sich wegen der Schweigepflicht, die den Teilnehmern auferlegt
wurde, nicht genau sagen. Unsere Vermutung ist jedoch, dass man sich damals dort zum
Legospielen traf.
Der heilige Zeremonienweg der Antike hat sich in eine
Schnellstraße verwandelt und führt am Kloster Dafni vorbei, das wir leider
verschlossen vorfanden. Also ging es weiter in Richtung Piräus, um an
Griechenlands größtem Hafen Planungssicherheit zu erlangen. Auf dem Weg dorthin
wühlten wir uns durch dichtesten Großstadtverkehr. Dessen Athener Variante
besteht aus eben noch fahrenden, plötzlich warnblinkenden und stehenden Autos,
die von drei Fahrspuren nicht selten nur eine frei lassen, aus Krankenwagen mit
Blaulicht, die im logischerweise auf dieser einen Fahrspur entstehenden Stau stecken
bleiben und vor allem aus dermaßen vielen Motorrad- und Vespafahrern ohne
Kopfbedeckung, dass wir uns fragten, ob es nicht sinnvoll sei die nächsten
EU-Millionen in Motorradhelme zu investieren, die dann unter der Athener
Bevölkerung verteilt werden. Angesichts der winterlichen Fährverbindungen
entschlossen wir uns, nur Kreta
anzusteuern. Vorher aber wollten wir zur genaueren Kalkulation des
Rückfahrt-Termins das Athener Umland unter die Lupe nehmen. Unser Tatendrang ließ
uns noch am selben Tag den 50 km entfernten Poseidontempel am Kap Souron
aufsuchen, in dessen Nähe wir übernachteten.
Am dritten Tag in Attika widmeten
wir uns dem Artemis-Tempel von Brauron und dessen Museum mit den Statuen der
"Bärenmädchen".
Die im Artemis-Tempel erzogenen Mädchen hießen so, weil die Göttin Artemis durch eine Bärin verkörpert wurde.
Doch damit war unser Tagwerk noch nicht vollbracht.
Schließlich wollte der Marathoni noch nach Marathon. Nach einem kurzen Besuch
beim Grabhügel der 490 v. Chr. in der Schlacht um Marathon gefallenen Athener,
erweiterten wir unseren Horizont durch einen Besuch im örtlichen
archäologischen Museum. Im Anschluss daran versuchte sich Nathan trotz längerer
Trainingspause an der klassischen Marathonstrecke, die heute durchgehend als
Schnellstraße ausgebaut ist.
Sehr weit kam er dabei freilich nicht, doch der
blaue Besenwagen machte es besser und lag bei Kilometer 30 trotz zahlreicher
roter Ampeln auf Weltrekordkurs. Ein plötzliches "Links abbiegen!"
vom Beifahrersitz beendete den Rekordversuch abrupt und führte uns zurück zum
Hafen von Piräus. Dort erwarben wir unsere Fahrscheine für die Fähre nach Kreta
und erfuhren, dass die Fähre statt, wie gewöhnlich, um 21 Uhr aufgrund eines
Streiks erst um Mitternacht ablegen würde. Nach einer endlos erscheinenden Wartezeit von knapp 8 Stunden rollten wir schließlich auf die Fähre, auf der wir hektisch von allen Seiten in
griechischer Sprache angeschrien wurden, bis schließlich ein des Deutschen
mächtiger Einparkhelfer sich unserer erbarmte. Sehr zu unserem Leidwesen
erlaubten die Regularien der Fähre kein "Camping on Bord", sodass wir
die zweite Nacht auf dieser Tour außerhalb des Schlumpfs übernachten mussten.
Viel Schlaf fanden wir nicht, gemeinsam kamen wir auf ganze drei Stunden
Dös-Zustand auf dem Teppichboden der Bordbar, von denen ganze null Stunden auf Nathan
entfielen. Trotzdem bewerkstelligte er um 9 Uhr morgens das millimetergenaue
Ausrangieren des Schlumpfs und so hatten wir alsbald wieder festes Land unter
den Rädern.
Unsere erste Station
auf der Mani machten wir im kleinen Ort Flomohori. Urige Gassen, in denen noch
urigere alte Männer hockten, deren finstere Mienen sich nach einem kurzen,
netten Gruß in ein zahnloses Lächeln verwandelten- ja, einfach urig dieser Ort.
Geprägt ist er- typisch für die gesamte Mani- von Wohnhäusern mit hoch
aufragenden Wehrtürmen.
Die unwirtliche, teilweise lebensfeindliche Einöde der
Halbinsel diente den letzten überlebenden Spartanern als Zufluchtsort, nachdem
das Reich Sparta zerfallen war. Ihre kriegerische Mentalität scheinen sie dabei
kaum zurückgelassen zu haben, denn die Wehrtürme sind aufgrund etlicher
Nachbarschaftskriege und Sippenrivalitäten entstanden, die häufig durch die
Eroberung des feindlichen Turms entschieden wurden. Wir beendeten unseren Tag
in Kokkala.
Kaum hatten wir die nähere Umgebung zu Fuß erkundet, wurde uns das Hauptproblem dieser Region
bewusst: Sie stirbt aus. Kaum ein Haus in diesem Ort war bewohnt, nahezu jedes
ist als Feriendomizil zweckentfremdet und somit außerhalb der Saison nicht
genutzt. Die wenigen Einwohner, auf die wir stießen, waren überwiegend im
Rentenalter. Selten haben wir inmitten eines Ortes so ruhig geschlafen. Wir
setzten die Umrundung der Mani fort und erreichten Lagia, eines der Vorzeige-Dörfer.
Aber auch hier sagen wir viele Häuser und wenige Menschen, mit dem Unterschied,
dass hier die Häuser abseits der Hauptstraße keine Ferienappartements waren,
sondern schlicht zerfielen.
Die einzige Taverne des Ortes hatte auch bei
unserer Rückkehr zum Auto noch geschlossen, was einen alten Mann sichtlich
missfiel, der aufgeregt in sein Handy wetterte- irgendwas von
"touristi" und "germani".
Wir hatten ohnehin
andere Pläne und fuhren- nur von Fotostopps an den schönsten Buchten
unterbrochen- bis zum Totenorakel Tenaro.
Von dort führte uns ein einfacher und
schöner aber unspektakulärer Wanderweg in ca. einer halben Stunde zum Kap
Tenaro, dem südlichsten Punkt des griechischen Festlands.
Der blaue Leuchtturm
wird ausschließlich mit Solarenergie betrieben; zu gerne hätten wir auch so
eine Solarzelle auf dem Dach. Strammen Schrittes wanderten wir zurück zu der
kleinen, zerfallenen Kapelle, die über die Reste des Totenorakels gebaut worden
ist und schauten direkt dahinter in den „Zugang zur Unterwelt“, in den Herakles
hinabgestiegen sein soll, um den Zerberus zu bändigen. Somit hatten wir mit
Ausnahme des Stymphalischen Sees alle Orte seiner Aufgaben auf der Peloponnes
besucht.
Bei schönstem Wetter
ging es fortan an der Westküste der Mani entlang. Zunächst passierten wir zur
Einstimmung Marmaria, um dann wunderschön auf einem Felsenkamm mit Meerblick
gelegene Vathia, das typische Dorf der Mani zu erreichen.
Es erwies sich
als goldener Abschluss unserer Mani-Umrundung, aber auch hier stehen wohl mehr
Türme, als Einwohner im Ort leben.
Unser nächster
Schlafplatz stand als Ziel aus eigenem Anspruch schon lange auf unserer Wunschliste,
daher fuhren wir durch bis zu dieser Traumbucht mit dem Namen Sauriereierbucht.
Die Westseite der
Mani ist nicht gar so lebensfeindlich wie die Ostküste, die Felsen fallen
weniger steil ins Wasser ab und hier und da ist sogar ein Hafen vorhanden. Die
größte landschaftliche Besonderheit der Gegend sind die zahlreichen küstennahen
Höhlen. Die mit Abstand bekannteste davon ist die Glyfada-Höhle- knappe 5
Minuten Fußweg von der Sauriereierbucht entfernt- durch die wir uns nachmittags
mit einem Münchner Pärchen in venezianischer Gondolieremanier staken ließen. Die
Höhle liegt nämlich zur Hälfte unter und zur Hälfte über Wasser.
Teilweise
musste Nathan sehr achtgeben, sich nicht den Kopf an den Gesteinsformationen zu
stoßen.
Das wohl imposanteste Phänomen der Höhle waren die ständig neuen,
verwirrenden Reflektionen auf dem Wasserspiegel, die unseren Kameras leider entgingen. Die geradezu gespenstische Ruhe wurde lediglich durch das Plätschern der Tropfen und das Gleiten unseres Bootes durchs Wasser durchbrochen, an den schönsten Stellen auch durch das Klicken der Kamera.
Fast 1,5 km lang war die Fahrt durch die Zauberwelt von Stalagmiten und
Stalaktiten, danach durften wir noch einige hundert Meter durch einen trockenen
Teil der Höhle zum Ausgang spazieren.
Das Münchner Pärchen
war auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit und wir boten ihnen an, sie
nach Areopolis zu fahren, der Hauptstadt der Mani. Wir bekamen dafür die
attraktive Kleinstadt etwas früher als geplant zu sehen und bekamen einen
gemeinsam eingenommenen griechischen Kaffee auf dem Marktplatz spendiert. Bei
Dämmerung machten wir uns auf den Weg zu unserem auserkorenen Schlafplatz, von
dem aus Nathan bei Sonnenaufgang mit dem Fahrrad eine zweite Mani-Umrundung in
Angriff nahm. Derweil versorgte Svenja unsere Wäsche und erfreute sich- anders
als der Radler- am sonnigen und extrem windigen Wetter. Außerdem backte sie
Brot, badete im Meer und wurde von einem einheimischen Imker angesprochen, der
Honig verkaufen, Orangen und Salbei verschenken und eine tote Schlange
präsentieren wollte.
Was ihr da seht, ist eine der giftigsten Schlangen
Europas, eine Hornviper, die er so frisch in einem Feld ganz in der Nähe erlegt
haben musste, dass sie noch zuckte. Wenn Svenja sein Kaudawelsch richtig
übersetzt hat, hatte ihn vor 10 Jahren eine solche Schlange gebissen und fast
ein Bein gekostet.
Irgendwie scheint
Svenja bei dem ganzen Trubel nicht so recht auf die Schlümpfe aufgepasst zu
haben. Jawohl, Schlümpfe! Neben unserem befand sich nämlich noch ein weiterer
Schlumpfbus an diesem Ort und im Gegensatz zu unserem wird er von anderen Schlümpfen
wohl nicht wegen seiner Pigmentstörung gehänselt.
Es scheint jedoch ein sehr
toleranter Schlumpf gewesen zu sein, jedenfalls fanden wir nach Nathans
Rückkehr ein ganzes Nest voller Eier unter unserer „Schlumpfine“.
Vorsorglich
haben wir ein paar davon mitgenommen. Sollten tatsächlich Schlümpfe schlüpfen,
so werden wir diese unter unseren treuesten Lesern verlosen. Nach zwei Nächten
nahmen wir Abschied von diesem wunderbaren Platz und erkundeten zunächst noch
einmal die Ecken von Areopolis, die wir beim ersten Kurzbesuch nicht gesehen
hatten.
Danach begaben wir
uns in den Höhlenforschermodus und steuerten zwei Höhlen an, die ohne Führer
und elektrisches Licht zu erkunden waren. Die erste liegt beim Örtchen Agios
Dimitrios, nennt sich Katafygi Salinitsas und ist über ein „Felsenchaos“ von
der Meerseite aus recht bequem zu erreichen.
Bequem war es ab dem Betreten der
Höhle nicht mehr. Obwohl zahlreiche Abenteurer vor uns Stalaktiten abgebrochen hatten,
bestand akute Kopf-Stoß-Gefahr, teilweise musste man auf allen Vieren in den
nächsten Saal vordringen. Nach ca. 200 Metern gelangten wir dann an einen Punkt,
an dem wir durch eine Pfütze von immensen Ausmaßen hätten kriechen müssen. Wir
zogen es vor mit trockenen Klamotten und trockener Kamera wieder ans Tageslicht
zurückzukehren. Doch bevor wir dies taten, löschten wir alle vier mitgebrachten
Lichter und erfuhren wahre Dunkelheit. Selbst nach einigen Minuten konnten wir
die Hand vor unseren Augen nicht einmal erahnen, nur das typische Tropfgeräusch
war zu vernehmen. Auf dem Rückweg trafen wir noch auf diesen etwas verschlafenen
Gesellen und einige seiner Freunde:
Unsere Neugier war
geweckt und daher machten wir uns unverzüglich daran die nächste Höhle zu
erforschen. Die Katafygi Vatsinidi liegt zwischen Stoupa und Kardamili und bot
uns mehr einfallendes Tageslicht und mehr Kopffreiheit, dafür aber weniger
Fledermäuse und Tropfsteingebilde. Da die Höhle einen Wasser führenden Zugang
zum Meer hat, hat sich an ihrem Rande ein „See“ gebildet.
In Kardamili könne
man gut am Strand stehen, hatte man uns erzählt. Tatsächlich fanden wir fünf
weitere, vornehmlich deutsche, Campingfahrzeuge vor, als wir in der Dämmerung
dort eintrafen. Da direkt hinter der am Strand entlang führenden Straße
(Ferien-)Häuser standen, fühlten wir uns- dem Verhalten der anderen Camper nach
zu urteilen- als einzige, etwas störend an diesem Ort. In Ermangelung einer
sinnvollen Alternative blieben wir stehen und verbuchten diesen Nacht als „einmal und nie wieder“. Es war das erste Mal, dass wir die Schilder mit den
durchgestrichenen Zelten und Caravans verstanden…
Alternativlos waren
wir, weil wir früh morgens in der nahen Großstadt Kalamata in der Werkstatt
aufkreuzen wollten, die wir schon einmal beehrt hatten. Das nötige Einzelteil
für unser Fahrerfenster sollte nun vorrätig sein. Erfreut empfing uns der Chef
und rief auch sofort bei dem Bekannten an, der für die Beschaffung dieses Teils
zuständig gewesen war. Nur hatte der unserem vagen Versprechen erneut vorbeizukommen
keinen Glauben geschenkt und daher das Teil nicht besorgt. Wie wütend der
Werkstatt-Chef darüber war, verstanden wir auch ohne ein Wort zu verstehen. Wir
wurden mit einem Kaffee getröstet und beschlossen das letzte Highlight der
Peloponnes, das sich unseren Augen bisher noch nicht offenbart hatte,
anzufahren. Dabei handelte es sich um Mystras, ehemals ein bedeutendes
byzantinisches Zentrum, von dem eine Vielzahl an Kirchen und eine Festung erhalten
geblieben sind. Die Fahrt von Kalamata nach Sparti- denn ganz nah bei Sparti
liegt Mystras- gehört wohl zu den schönsten Strecken der Peloponnes. Obwohl wir
die Strecke erst wenige Wochen zuvor schon einmal gefahren waren, hatte sich
einiges verändert. Die Farbe der Blätter an den Bäumen war von sattem Grün in
sanftes Gelb übergegangen und die viel größere Überraschung: die vier bis fünf
Baustellen entlang des Weges waren allesamt fertig gestellt worden.
Mystras war im
doppelten Sinne atemberaubend. Zum einen durch seine unvergleichliche Dichte an
kunstvoll ausgekleideten Sakralbauten in fantastischer Lage,
zum anderen durch
den extremen Höhenunterschied zwischen den unteren und den oberen Gebäuden.
Da
die Anlage zwei Eingänge hat, absolvieren wohl nicht wenige Besucher die
Höhenmeter per Auto und verzichten dafür auf die Besichtigung der in der Mitte
liegenden Gebäude.
Aufgrund unserer
Streckenkenntnis des folgenden Streckenabschnitts hatten wir diverse
Schlafplatz-Optionen in der Hinterhand. Daher fuhren wir in die Dunkelheit
hinein und steuerten dann einen Strand bei Nafplio an, der uns von unseren
Sauriereierstrand-Nachbarn mit Schlumpf empfohlen worden war. Tatsächlich trafen
wir- wie schon in der Nacht zuvor- eine ganze Horde von Fahrzeugen vor einem
Eukalyptuswäldchen an und gesellten uns kurzerhand dazu. An diesem Strand gab
es keine Anwohner, die man durch seine Anwesenheit hätte stören können und da
es recht warm war und wir uns inmitten von anderen Campern sicher fühlten,
stellten wir endlich mal wieder unser Hochdach auf. Kaum hatten wir den Bus von
innen verriegelt und uns nach oben begeben – das Licht war noch an und wir
waren mitten im Gespräch – da vernahm Nathan von draußen Geräusche, die nicht
ins natürliche Muster passten. Wir öffneten eines unserer Zeltfenster und
Svenja sah einen Mann vor dem Schlumpf, den sie zunächst für einen unserer
Nachbarn hielt. Doch nach und nach näherte sich der Mann unserem Auto, immer
nur für 2 Schritte, um dann kurz inne zu halten. Schließlich verschwand er aus
Svenjas Blickfeld, weil er sich nah vors Auto gehockt hatte. Spätestens jetzt
war uns klar, dass seine Absichten nicht ehrenhaft sein konnten. Das
Herausleuchten mit einer Taschenlampe erschreckte ihn nicht ausreichend, zumal
der Lichtkegel ihn verfehlte. Einen kurzen Moment verharrten wir und horchten
in die Dunkelheit – das Licht hatten wir längst gelöscht. Es tat sich nichts,
aber Svenja war sich sicher, dass er dort vorne sitzen musste, warum auch immer,
er musste bemerkt haben, dass er bemerkt worden war. Also kletterte Svenja mit
einem Zündschlüssel bewaffnet auf den Fahrersitz. Aber auch von dort konnte sie
den Kerl nicht erspähen. Die nächste Eskalationsstufe war das Anschalten des
Autolichts. Das überraschte unseren Störenfried ein wenig und er musste
ruckartig seine Position verändern, um nicht im Lichtschein des linken
Scheinwerfers zu sitzen. Das war Svenja aber nicht entgangen, obgleich er dies
vermutlich noch hoffte. Auf Nathans Signal startete Svenja den Motor und siehe
da: Der Mann sprang panisch auf und suchte sein Heil in der Flucht. Auf eine konsequente Verfolgungsjagd mit aufgestelltem Dach durch niedrig hängende Äste auf
unbekanntem Terrain bei Dunkelheit verzichteten wir lieber. Obwohl Nathan dem Ruhestörer mit
seiner alten Torwart-Brüll-Technik hinterher geschrien und Svenja Motor und
Fernlicht eingeschaltet hatte, tat sich bei den anderen Campern nichts, obwohl
überall noch Licht brannte. Dass der Kerl zurückkehren würde, war äußerst
unwahrscheinlich, dennoch zogen wir es vor, den Standort zu wechseln und fuhren
zum Tholosgrab nahe Tiryns, wo wir wenigstens ein paar Stunden Schlaf fanden.