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Donnerstag, 12. Januar 2017

Athen

Gesagt, getan- nachdem wir, von diesem Regenbogen verabschiedet,


schweren Herzens, aber voller Vorfreude, auf Kreta unsere Zelte abgebrochen und mit der venezianischen Loggia


und dem Morosini- Brunnen



die Besichtigung von Iraklion komplettiert hatten, ließen wir uns von der Fähre in turbulenten neun Stunden zurück nach Piräus kutschieren. Da wir in aller Hergottsfrühe um 6.15 Uhr dort wieder aufs Fest(e)land rollten, hatten wir Zeit genug, um beim Kloster Daphni zum zweiten Mal unser Glück zu versuchen- schließlich war Dienstag. Es sollte wohl nicht sein- dieses Mal verkündete uns ein neu angebrachtes Schild, dass es ab Weihnachten bis auf Weiteres gänzlich für Besucher geschlossen bleibe. Wir trösteten uns damit, dass seine „Weltkulturerbe- Schwesterkirche“ Ossios Lukas noch auf unserer Besuchsliste stand und ein warmes Apartment auf uns wartete. 
Ohne Probleme meisterten wir in mittlerweile ausgereifter Teamarbeit die Navigation und Fahrt durch das Athener Verkehrschaos und wurden wenig später von leckerem sandigsamtigem Gebäck (wir wissen nicht wie es heißt- schmeckt aber göttlich), Walnüssen, Rosinen, Wein und unserem freundlichen Gastgeber George begrüßt- die griechische Gastfreundlichkeit kennt keine Grenzen. 
An diesem langersehnten Abend floss reichlich Wasser- aus der Dusche, in die Waschmaschine und, in Form von Freudentränen, Svenjas Bäckchen hinunter, als sie Miri in die Arme schloss. 


Wir erkundeten unsere 70er-Jahre Bude und genossen einen gemütlichen dreisamen griechischen Abend, den Svenja und Miri bis tief in die Nacht ausdehnten. Leider war punktgenau mit Miri auch die deutsche Eiseskälte in Athen gelandet. Aber diese konnte uns, und überraschenderweise auch viele andere Touristen, nicht von der Besichtigung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten abhalten- allen voran die Akropolis mitsamt ihrem großen und besonders ausgefallen konstruierten Museum.


Nicht nur die Lage, sondern vor allem die Tempel, die Vielschichtigkeit und gleichsam Einzigartigkeit dieses historisch bedeutenden 156 Meter hohen Hügels beeindruckten uns sehr. Aber damit nicht genug- zu seinen Füßen liegen zwei sehr bedeutende Theater. Das Dionysostheater war das erste und bedeutendste Theater im antiken Griechenland. Dort soll das Drama seinen Ursprung gefunden haben.


Im zweiten- dem Odeon des Herodes Atticus- finden im Sommer Konzerte statt:


Nachdem wir die rutschige Treppe hinauf zu den Propyläen gemeistert hatten, öffnete sich der Blick in alle Himmelsrichtungen und auf die drei Tempel. Manche Touristen starrten komischerweise derweil lieber ihr Handy an.



Wir hatten zum Glück unsere ganz persönliche Fotografin dabei :)



Der kleine Niketempel liegt etwas versteckt- 


im Gegensatz zum riesigen Parthenon:


Dem Zauber, der diesem Ort und Ausblick innewohnt, konnten selbst das trübe Wetter und die Touristenströme keinen Abbruch bereiten.






Die originalen überlebensgroßen Mädchen, die einen Teil des Erechtheions tragen, konnten wir bis auf eine, die die Engländer abgezwackt haben, zuvor im Akropolis Museum hautnah bestaunen. 


Vor Ort wurden sie durch Duplikate ersetzt, genau wie auch die meterlangen Friese, die das Parthenon zierten.




Aufgrund des regnerischen Wetters am Folgetag taten wir es den großen Funden Griechenlands gleich und fanden uns im Archäologischen Nationalmuseum wieder. Dort glänzten sogar Stein und Kupfer- wegen ihrer großartigen Bedeutung. Nathan und Svenja konnten ihr Griechenland-Puzzle weiter vervollständigen, Miri verschaffte sich einen Überblick über das große Ganze. An dieser Stelle wollen wir euch eine Auswahl an Bildern liefern, 

1.) die unsere letzten Blogs ergänzen, wie zum Beispiel die Goldmaske des Agamemnon aus Mykene:


2.) zu diesem Athen Blog gehören, zum Beispiel mit der Statue des Poseidon aus Athens Umgebung: 





3.) von Inseln stammen, die wir noch nicht besucht haben, zum Beispiel dieses berühmte Fresko der kämpfenden Jungen aus Santorini:



4.) von Funden, die zwischenzeitlich in einem versunkenen Schiffswrack untergetaucht waren, wie zum Beispiel der Jockey von Artemision:


Es machte uns großen Spaß in den Sammlungen und in unserem Gedächtnis nach Informationen zu stöbern und Brücken zu spannen. Unnötig und unspektakulär fanden wir das Theater, das sich vor dem Parlamentsgebäude am Hauptplatz Syntagma abspielte: Dort tauschen zu jeder vollen Stunde die Wachmänner in Röckchen und Zeitlupe Plätze. 


Uns ging es viel zu langsam, wir stiegen im Gegensatz zum Rest der strikt hinter eine Linie zurückgepfiffenen Touritraube nach ein paar Minuten aus und in die Metro ein. Zuhause war es wärmer und die Erzählungen spannender. Am dritten Tag lockten uns das Plaka-Viertel mit seinen Marktgassen und die dort befindliche Agora ins kalte Nass. Schon allein für diesen Blick von der einen antiken Stätte auf die andere,



die Hadriansbibliothek und den Turm der Winde



hätte es sich gelohnt. Aber vieles mehr schmückte diesen Tag aus, wir genossen zum Beispiel noch den Blick vom Philopapposhügel auf die Akropolis


und anschließend heißen Glühwein, Whiskey und Joster zuhause. 

So kam es, dass wir uns am letzten Tag des Jahres noch einmal neu eindecken mussten, schließlich mussten wir ja nach der Silvesterbesichtigung, die das Panathenische Stadion, den Zeustempel



und den Hadriansbogen umfasste, wieder aufwärmen, bevor es dann für das Feuerwerk auf einen weiteren Hügel- den für uns in Marschnähe liegenden Lykavittos ging. Das obligatorische "Dinner for one" natürlich durfte auch in der Ferne nicht fehlen.


Wir genossen es sehr, dass in Athen nicht schon Stunden vor und noch nach Mitternacht geballert wurde. Das Feuerwerk hielt sich in Grenzen- es begrenzte sich auf Raketen über der Akropolis und in Piräus, rote Leuchtraketen der Schiffe auf See und ein Bengalofeuer.


Fröhlich starteten wir eine Stunde früher als Deutschland ins neue Jahr. Am Abschiedstag tauschten wir Musik, Fotos und, wie in Griechenland üblich, Geschenke aus. Wir teilten unsere Vorfreude auf die Heimkehr, die den Abschiedschmerz ungemein linderte. Danke liebe Miri! 

Sonntag, 4. Dezember 2016

Attisches Intermezzo

Vielleicht wollte uns der Gauner einfach nur den Abschied von der Peloponnes etwas leichter machen. Was er genau vorhatte, bleibt ein Rätsel. Wir mussten schlafarm und schweren Herzens, diese traumhaft schöne Halbinsel nun über Korinth verlassen. Dort nahmen wir die beim letzten Besuch noch nicht gesehene Senkbrücke am nordwestlichen Ende des Isthmus, schwenkten bald darauf weg von der Küste in den bergigen Westen, wo wir in Porto Germeno die ersehnte Ruhe und Einsamkeit fanden, nach der uns an diesem Tag zumute war.


Wir mussten einfach raus aus der stressigen rollenden Blechlawine, dem ersten Vorboten des gar nicht mehr weit entfernten Athens. Vor allem die knöchelhohen Gleise der uralten unbenutzten Bahnübergänge ließen an diesem Tag nur die besondere griechische unorthodoxe Fahrweise zu, die sich durch den Wechsel von abruptem Bremsen und Beschleunigen auszeichnet. In Deutschland findet man solche Vorkriegsrelikte allenfalls noch auf eingezäunten und vergessenen ehemaligen Güterbahnhöfen. Selbst in Albanien waren zwar die Brückenbauer nicht die genauesten, aber immerhin gab es dort auf unserem Weg nicht so viele unnötige Gleise. Schlumpfi meisterte die Hürden als würde er darüber schweben, uns scheint fast als hätte er seit dem Eierstrand ohnehin seine durch eine rosarote Brille blitzenden Scheinwerfer mehr neben als auf der Straße- zum Beispiel bei diesem hübschen Kulleraugen-Hippie-Bus. 


In Porto Germeno angekommen, fanden wir neben der Festung mitten im Olivenfeld ein lauschiges Plätzchen, von wo aus wir binnen weniger Minuten das kleine Dorf erkundet hatten. Außer zwei Renovierungsarbeitern an der Festung, einem Kioskbesitzer und zwei Personen in einer Taverne und einem Café lag das Dorf wie ausgestorben vor uns. Wir nutzten das öffentliche WLAN, tranken einen Cappuccino mit Meerblick und legten uns sehr früh schlafen. Noch bevor der erste Hahn krähte, befanden wir uns schon auf dem Weg nach Eleusina. Dort begutachteten wir die Reste des Demeter-Heiligtums, in dem in der Antike die eleusinischen Mysterien gefeiert wurden.


Wie genau die Kultfeiern damals abliefen, lässt sich wegen der Schweigepflicht, die den Teilnehmern auferlegt wurde, nicht genau sagen. Unsere Vermutung ist jedoch, dass man sich damals dort zum Legospielen traf.


Der heilige Zeremonienweg der Antike hat sich in eine Schnellstraße verwandelt und führt am Kloster Dafni vorbei, das wir leider verschlossen vorfanden. Also ging es weiter in Richtung Piräus, um an Griechenlands größtem Hafen Planungssicherheit zu erlangen. Auf dem Weg dorthin wühlten wir uns durch dichtesten Großstadtverkehr. Dessen Athener Variante besteht aus eben noch fahrenden, plötzlich warnblinkenden und stehenden Autos, die von drei Fahrspuren nicht selten nur eine frei lassen, aus Krankenwagen mit Blaulicht, die im logischerweise auf dieser einen Fahrspur entstehenden Stau stecken bleiben und vor allem aus dermaßen vielen Motorrad- und Vespafahrern ohne Kopfbedeckung, dass wir uns fragten, ob es nicht sinnvoll sei die nächsten EU-Millionen in Motorradhelme zu investieren, die dann unter der Athener Bevölkerung verteilt werden. Angesichts der winterlichen Fährverbindungen entschlossen wir uns, nur Kreta anzusteuern. Vorher aber wollten wir zur genaueren Kalkulation des Rückfahrt-Termins das Athener Umland unter die Lupe nehmen. Unser Tatendrang ließ uns noch am selben Tag den 50 km entfernten Poseidontempel am Kap Souron aufsuchen, in dessen Nähe wir übernachteten.


Am dritten Tag in Attika widmeten wir uns dem Artemis-Tempel von Brauron und dessen Museum mit den Statuen der "Bärenmädchen".


Die im Artemis-Tempel erzogenen Mädchen hießen so, weil die Göttin Artemis durch eine Bärin verkörpert wurde.


Doch damit war unser Tagwerk noch nicht vollbracht. Schließlich wollte der Marathoni noch nach Marathon. Nach einem kurzen Besuch beim Grabhügel der 490 v. Chr. in der Schlacht um Marathon gefallenen Athener, erweiterten wir unseren Horizont durch einen Besuch im örtlichen archäologischen Museum. Im Anschluss daran versuchte sich Nathan trotz längerer Trainingspause an der klassischen Marathonstrecke, die heute durchgehend als Schnellstraße ausgebaut ist. 


Sehr weit kam er dabei freilich nicht, doch der blaue Besenwagen machte es besser und lag bei Kilometer 30 trotz zahlreicher roter Ampeln auf Weltrekordkurs. Ein plötzliches "Links abbiegen!" vom Beifahrersitz beendete den Rekordversuch abrupt und führte uns zurück zum Hafen von Piräus. Dort erwarben wir unsere Fahrscheine für die Fähre nach Kreta und erfuhren, dass die Fähre statt, wie gewöhnlich, um 21 Uhr aufgrund eines Streiks erst um Mitternacht ablegen würde. Nach einer endlos erscheinenden Wartezeit von knapp 8 Stunden rollten wir schließlich auf die Fähre, auf der wir hektisch von allen Seiten in griechischer Sprache angeschrien wurden, bis schließlich ein des Deutschen mächtiger Einparkhelfer sich unserer erbarmte. Sehr zu unserem Leidwesen erlaubten die Regularien der Fähre kein "Camping on Bord", sodass wir die zweite Nacht auf dieser Tour außerhalb des Schlumpfs übernachten mussten. Viel Schlaf fanden wir nicht, gemeinsam kamen wir auf ganze drei Stunden Dös-Zustand auf dem Teppichboden der Bordbar, von denen ganze null Stunden auf Nathan entfielen. Trotzdem bewerkstelligte er um 9 Uhr morgens das millimetergenaue Ausrangieren des Schlumpfs und so hatten wir alsbald wieder festes Land unter den Rädern.

Samstag, 3. Dezember 2016

Peloponnes-Schlussakt: Schlangenschlächter, Schlumpfeier, Schlupflöcher und schlaflose Nächte

Unsere erste Station auf der Mani machten wir im kleinen Ort Flomohori. Urige Gassen, in denen noch urigere alte Männer hockten, deren finstere Mienen sich nach einem kurzen, netten Gruß in ein zahnloses Lächeln verwandelten- ja, einfach urig dieser Ort.


Geprägt ist er- typisch für die gesamte Mani- von Wohnhäusern mit hoch aufragenden Wehrtürmen. 
Die unwirtliche, teilweise lebensfeindliche Einöde der Halbinsel diente den letzten überlebenden Spartanern als Zufluchtsort, nachdem das Reich Sparta zerfallen war. Ihre kriegerische Mentalität scheinen sie dabei kaum zurückgelassen zu haben, denn die Wehrtürme sind aufgrund etlicher Nachbarschaftskriege und Sippenrivalitäten entstanden, die häufig durch die Eroberung des feindlichen Turms entschieden wurden. Wir beendeten unseren Tag in Kokkala.



Kaum hatten wir die nähere Umgebung zu Fuß erkundet,  wurde uns das Hauptproblem dieser Region bewusst: Sie stirbt aus. Kaum ein Haus in diesem Ort war bewohnt, nahezu jedes ist als Feriendomizil zweckentfremdet und somit außerhalb der Saison nicht genutzt. Die wenigen Einwohner, auf die wir stießen, waren überwiegend im Rentenalter. Selten haben wir inmitten eines Ortes so ruhig geschlafen. Wir setzten die Umrundung der Mani fort und erreichten Lagia, eines der Vorzeige-Dörfer. Aber auch hier sagen wir viele Häuser und wenige Menschen, mit dem Unterschied, dass hier die Häuser abseits der Hauptstraße keine Ferienappartements waren, sondern schlicht zerfielen.


Die einzige Taverne des Ortes hatte auch bei unserer Rückkehr zum Auto noch geschlossen, was einen alten Mann sichtlich missfiel, der aufgeregt in sein Handy wetterte- irgendwas von "touristi" und "germani".
Wir hatten ohnehin andere Pläne und fuhren- nur von Fotostopps an den schönsten Buchten unterbrochen- bis zum Totenorakel Tenaro. 


Von dort führte uns ein einfacher und schöner aber unspektakulärer Wanderweg in ca. einer halben Stunde zum Kap Tenaro, dem südlichsten Punkt des griechischen Festlands.


Der blaue Leuchtturm wird ausschließlich mit Solarenergie betrieben; zu gerne hätten wir auch so eine Solarzelle auf dem Dach. Strammen Schrittes wanderten wir zurück zu der kleinen, zerfallenen Kapelle, die über die Reste des Totenorakels gebaut worden ist und schauten direkt dahinter in den „Zugang zur Unterwelt“, in den Herakles hinabgestiegen sein soll, um den Zerberus zu bändigen.
Somit hatten wir mit Ausnahme des Stymphalischen Sees alle Orte seiner Aufgaben auf der Peloponnes besucht.
Bei schönstem Wetter ging es fortan an der Westküste der Mani entlang. Zunächst passierten wir zur Einstimmung Marmaria, um dann wunderschön auf einem Felsenkamm mit Meerblick gelegene Vathia, das typische Dorf der Mani zu erreichen. 


Es erwies sich als goldener Abschluss unserer Mani-Umrundung, aber auch hier stehen wohl mehr Türme, als Einwohner im Ort leben.
Unser nächster Schlafplatz stand als Ziel aus eigenem Anspruch schon lange auf unserer Wunschliste, daher fuhren wir durch bis zu dieser Traumbucht mit dem Namen Sauriereierbucht.


Die Westseite der Mani ist nicht gar so lebensfeindlich wie die Ostküste, die Felsen fallen weniger steil ins Wasser ab und hier und da ist sogar ein Hafen vorhanden. Die größte landschaftliche Besonderheit der Gegend sind die zahlreichen küstennahen Höhlen. Die mit Abstand bekannteste davon ist die Glyfada-Höhle- knappe 5 Minuten Fußweg von der Sauriereierbucht entfernt- durch die wir uns nachmittags mit einem Münchner Pärchen in venezianischer Gondolieremanier staken ließen. Die Höhle liegt nämlich zur Hälfte unter und zur Hälfte über Wasser. 


Teilweise musste Nathan sehr achtgeben, sich nicht den Kopf an den Gesteinsformationen zu stoßen. 


Das wohl imposanteste Phänomen der Höhle waren die ständig neuen, verwirrenden Reflektionen auf dem Wasserspiegel, die unseren Kameras leider entgingen. Die geradezu gespenstische Ruhe wurde lediglich durch das Plätschern der Tropfen und das Gleiten unseres Bootes durchs Wasser durchbrochen, an den schönsten Stellen auch durch das Klicken der Kamera.


Fast 1,5 km lang war die Fahrt durch die Zauberwelt von Stalagmiten und Stalaktiten, danach durften wir noch einige hundert Meter durch einen trockenen Teil der Höhle zum Ausgang spazieren.
Das Münchner Pärchen war auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit und wir boten ihnen an, sie nach Areopolis zu fahren, der Hauptstadt der Mani. Wir bekamen dafür die attraktive Kleinstadt etwas früher als geplant zu sehen und bekamen einen gemeinsam eingenommenen griechischen Kaffee auf dem Marktplatz spendiert. Bei Dämmerung machten wir uns auf den Weg zu unserem auserkorenen Schlafplatz, von dem aus Nathan bei Sonnenaufgang mit dem Fahrrad eine zweite Mani-Umrundung in Angriff nahm. Derweil versorgte Svenja unsere Wäsche und erfreute sich- anders als der Radler- am sonnigen und extrem windigen Wetter. Außerdem backte sie Brot, badete im Meer und wurde von einem einheimischen Imker angesprochen, der Honig verkaufen, Orangen und Salbei verschenken und eine tote Schlange präsentieren wollte. 


Was ihr da seht, ist eine der giftigsten Schlangen Europas, eine Hornviper, die er so frisch in einem Feld ganz in der Nähe erlegt haben musste, dass sie noch zuckte. Wenn Svenja sein Kaudawelsch richtig übersetzt hat, hatte ihn vor 10 Jahren eine solche Schlange gebissen und fast ein Bein gekostet.
Irgendwie scheint Svenja bei dem ganzen Trubel nicht so recht auf die Schlümpfe aufgepasst zu haben. Jawohl, Schlümpfe! Neben unserem befand sich nämlich noch ein weiterer Schlumpfbus an diesem Ort und im Gegensatz zu unserem wird er von anderen Schlümpfen wohl nicht wegen seiner Pigmentstörung gehänselt. 


Es scheint jedoch ein sehr toleranter Schlumpf gewesen zu sein, jedenfalls fanden wir nach Nathans Rückkehr ein ganzes Nest voller Eier unter unserer „Schlumpfine“. 


Vorsorglich haben wir ein paar davon mitgenommen. Sollten tatsächlich Schlümpfe schlüpfen, so werden wir diese unter unseren treuesten Lesern verlosen. Nach zwei Nächten nahmen wir Abschied von diesem wunderbaren Platz und erkundeten zunächst noch einmal die Ecken von Areopolis, die wir beim ersten Kurzbesuch nicht gesehen hatten.


Danach begaben wir uns in den Höhlenforschermodus und steuerten zwei Höhlen an, die ohne Führer und elektrisches Licht zu erkunden waren. Die erste liegt beim Örtchen Agios Dimitrios, nennt sich Katafygi Salinitsas und ist über ein „Felsenchaos“ von der Meerseite aus recht bequem zu erreichen. 



Bequem war es ab dem Betreten der Höhle nicht mehr. Obwohl zahlreiche Abenteurer vor uns Stalaktiten abgebrochen hatten, bestand akute Kopf-Stoß-Gefahr, teilweise musste man auf allen Vieren in den nächsten Saal vordringen. Nach ca. 200 Metern gelangten wir dann an einen Punkt, an dem wir durch eine Pfütze von immensen Ausmaßen hätten kriechen müssen. Wir zogen es vor mit trockenen Klamotten und trockener Kamera wieder ans Tageslicht zurückzukehren. Doch bevor wir dies taten, löschten wir alle vier mitgebrachten Lichter und erfuhren wahre Dunkelheit. Selbst nach einigen Minuten konnten wir die Hand vor unseren Augen nicht einmal erahnen, nur das typische Tropfgeräusch war zu vernehmen. Auf dem Rückweg trafen wir noch auf diesen etwas verschlafenen Gesellen und einige seiner Freunde:



Unsere Neugier war geweckt und daher machten wir uns unverzüglich daran die nächste Höhle zu erforschen. Die Katafygi Vatsinidi liegt zwischen Stoupa und Kardamili und bot uns mehr einfallendes Tageslicht und mehr Kopffreiheit, dafür aber weniger Fledermäuse und Tropfsteingebilde. Da die Höhle einen Wasser führenden Zugang zum Meer hat, hat sich an ihrem Rande ein „See“ gebildet.



In Kardamili könne man gut am Strand stehen, hatte man uns erzählt. Tatsächlich fanden wir fünf weitere, vornehmlich deutsche, Campingfahrzeuge vor, als wir in der Dämmerung dort eintrafen. Da direkt hinter der am Strand entlang führenden Straße (Ferien-)Häuser standen, fühlten wir uns- dem Verhalten der anderen Camper nach zu urteilen- als einzige, etwas störend an diesem Ort. In Ermangelung einer sinnvollen Alternative blieben wir stehen und verbuchten diesen Nacht als „einmal und nie wieder“. Es war das erste Mal, dass wir die Schilder mit den durchgestrichenen Zelten und Caravans verstanden…
Alternativlos waren wir, weil wir früh morgens in der nahen Großstadt Kalamata in der Werkstatt aufkreuzen wollten, die wir schon einmal beehrt hatten. Das nötige Einzelteil für unser Fahrerfenster sollte nun vorrätig sein. Erfreut empfing uns der Chef und rief auch sofort bei dem Bekannten an, der für die Beschaffung dieses Teils zuständig gewesen war. Nur hatte der unserem vagen Versprechen erneut vorbeizukommen keinen Glauben geschenkt und daher das Teil nicht besorgt. Wie wütend der Werkstatt-Chef darüber war, verstanden wir auch ohne ein Wort zu verstehen. Wir wurden mit einem Kaffee getröstet und beschlossen das letzte Highlight der Peloponnes, das sich unseren Augen bisher noch nicht offenbart hatte, anzufahren. Dabei handelte es sich um Mystras, ehemals ein bedeutendes byzantinisches Zentrum, von dem eine Vielzahl an Kirchen und eine Festung erhalten geblieben sind. Die Fahrt von Kalamata nach Sparti- denn ganz nah bei Sparti liegt Mystras- gehört wohl zu den schönsten Strecken der Peloponnes. Obwohl wir die Strecke erst wenige Wochen zuvor schon einmal gefahren waren, hatte sich einiges verändert. Die Farbe der Blätter an den Bäumen war von sattem Grün in sanftes Gelb übergegangen und die viel größere Überraschung: die vier bis fünf Baustellen entlang des Weges waren allesamt fertig gestellt worden.
Mystras war im doppelten Sinne atemberaubend. Zum einen durch seine unvergleichliche Dichte an kunstvoll ausgekleideten Sakralbauten in fantastischer Lage,



zum anderen durch den extremen Höhenunterschied zwischen den unteren und den oberen Gebäuden.



Da die Anlage zwei Eingänge hat, absolvieren wohl nicht wenige Besucher die Höhenmeter per Auto und verzichten dafür auf die Besichtigung der in der Mitte liegenden Gebäude.


Aufgrund unserer Streckenkenntnis des folgenden Streckenabschnitts hatten wir diverse Schlafplatz-Optionen in der Hinterhand. Daher fuhren wir in die Dunkelheit hinein und steuerten dann einen Strand bei Nafplio an, der uns von unseren Sauriereierstrand-Nachbarn mit Schlumpf empfohlen worden war. Tatsächlich trafen wir- wie schon in der Nacht zuvor- eine ganze Horde von Fahrzeugen vor einem Eukalyptuswäldchen an und gesellten uns kurzerhand dazu. An diesem Strand gab es keine Anwohner, die man durch seine Anwesenheit hätte stören können und da es recht warm war und wir uns inmitten von anderen Campern sicher fühlten, stellten wir endlich mal wieder unser Hochdach auf. Kaum hatten wir den Bus von innen verriegelt und uns nach oben begeben – das Licht war noch an und wir waren mitten im Gespräch – da vernahm Nathan von draußen Geräusche, die nicht ins natürliche Muster passten. Wir öffneten eines unserer Zeltfenster und Svenja sah einen Mann vor dem Schlumpf, den sie zunächst für einen unserer Nachbarn hielt. Doch nach und nach näherte sich der Mann unserem Auto, immer nur für 2 Schritte, um dann kurz inne zu halten. Schließlich verschwand er aus Svenjas Blickfeld, weil er sich nah vors Auto gehockt hatte. Spätestens jetzt war uns klar, dass seine Absichten nicht ehrenhaft sein konnten. Das Herausleuchten mit einer Taschenlampe erschreckte ihn nicht ausreichend, zumal der Lichtkegel ihn verfehlte. Einen kurzen Moment verharrten wir und horchten in die Dunkelheit – das Licht hatten wir längst gelöscht. Es tat sich nichts, aber Svenja war sich sicher, dass er dort vorne sitzen musste, warum auch immer, er musste bemerkt haben, dass er bemerkt worden war. Also kletterte Svenja mit einem Zündschlüssel bewaffnet auf den Fahrersitz. Aber auch von dort konnte sie den Kerl nicht erspähen. Die nächste Eskalationsstufe war das Anschalten des Autolichts. Das überraschte unseren Störenfried ein wenig und er musste ruckartig seine Position verändern, um nicht im Lichtschein des linken Scheinwerfers zu sitzen. Das war Svenja aber nicht entgangen, obgleich er dies vermutlich noch hoffte. Auf Nathans Signal startete Svenja den Motor und siehe da: Der Mann sprang panisch auf und suchte sein Heil in der Flucht. Auf eine konsequente Verfolgungsjagd mit aufgestelltem Dach durch niedrig hängende Äste auf unbekanntem Terrain bei Dunkelheit verzichteten wir lieber. Obwohl Nathan dem Ruhestörer mit seiner alten Torwart-Brüll-Technik hinterher geschrien und Svenja Motor und Fernlicht eingeschaltet hatte, tat sich bei den anderen Campern nichts, obwohl überall noch Licht brannte. Dass der Kerl zurückkehren würde, war äußerst unwahrscheinlich, dennoch zogen wir es vor, den Standort zu wechseln und fuhren zum Tholosgrab nahe Tiryns, wo wir wenigstens ein paar Stunden Schlaf fanden.